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<title>Ribab</title>
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<h1 id="firstHeading" class="firstHeading mw-first-heading"><span class="mw-page-title-main">Ribab</span></h1>
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<div id="mw-content-text" class="mw-body-content mw-content-ltr" lang="de" dir="ltr"><div class="mw-content-ltr mw-parser-output" lang="de" dir="ltr"><p><b>Ribab</b>, <a href="DIN_31635" title="DIN 31635">DMG</a> <i>ribāb</i>, auch <i>rribab, rbab soussi</i>, ist eine einsaitige, mit dem <a href="Streichbogen" class="mw-redirect" title="Streichbogen">Bogen</a> gestrichene Kastenspieß<a href="Lauteninstrument" title="Lauteninstrument">laute</a>, die in <a href="Marokko" title="Marokko">Marokko</a> traditionell von professionellen poetischen Sängern (<i>raʾīs</i>) der <a href="Taschelhit" title="Taschelhit">Taschelhit</a> sprechenden <a href="Berber" title="Berber">Berber</a> im Südwesten des Landes gespielt wird. Der <i>raʾīs</i> (<i>rais,</i> Pl. <i>rwais</i>) tritt als Komödiant und Alleinunterhalter auf oder als Leiter einer Gruppe von bis zu einem Dutzend Akteuren, die zugleich musizieren, singen und tanzen. Das mit der im Orient weit verbreiteten Gruppe der <i><a href="Rab%C4%81b" title="Rabāb">rabāb</a></i> namensverwandte Instrument kann mit Schmuck behängt sein und so zu einer Wertanlage für seinen Besitzer werden.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Herkunft_und_Verbreitung">Herkunft und Verbreitung</h2></div>
<p>Bei den meist mit dem Bogen gestrichenen Spießlauten durchquert der lange, aus einem Holzstab bestehende Hals den <a href="Korpus_(Musikinstrument)" class="mw-redirect" title="Korpus (Musikinstrument)">Korpus</a> und ragt an der Unterseite ein Stück hinaus. Nach ihrer Korpusform werden drei Gruppen unterschieden. Ein typischer Vertreter der Schalenspießgeigen, die einen schalenförmigen runden Korpus besitzen, ist die ägyptische <i>kamanǧa</i> (auch <i>rebāb</i>) mit zwei Saiten und einem langen, an der Unterseite herausragenden Eisenspieß. Sie ist namens- und formverwandt mit der persischen <i><a href="Kamantsche" title="Kamantsche">kamantsche</a></i>. Im Norden Afrikas lassen sich die Lauten regional zuordnen. Gestrichene Spießlauten mit einem kreisrunden schalenförmigen Korpus sind die einsaitige <i><a href="Imzad" title="Imzad">imzad</a></i> der Tuareg und die ebenfalls einsaitige <i><a href="Goge" title="Goge">goge</a></i> bei den <a href="Hausa_(Volk)" title="Hausa (Volk)">Hausa</a>.
</p><p>In Westafrika sind daneben Binnenspießlauten mit schalenförmigem Korpus, der bootsförmig oder kreisrund sein kann, vertreten. Der Hals endet innerhalb des mit einer Hautdecke bespannten Resonanzkörpers. Sie werden stets gezupft. In der <a href="Sahara" title="Sahara">Sahara</a> und <a href="Sahelzone" title="Sahelzone">Sahelzone</a>, wohin die Schalenspießlauten ab dem 11. Jahrhundert mit der <a href="Islam_in_Afrika" title="Islam in Afrika">Islamisierung</a> durch die Araber gelangten, zählen zu den bootsförmigen gezupften Binnenspießlauten die dreisaitige <i><a href="Tahardent" title="Tahardent">tahardent</a></i> der <a href="Tuareg" title="Tuareg">Tuareg</a>, die viersaitige <i><a href="Tidinit" title="Tidinit">tidinit</a></i> in <a href="Mauretanien" title="Mauretanien">Mauretanien</a>, die <i><a href="Ngoni" title="Ngoni">ngoni</a></i> in <a href="Mali" title="Mali">Mali</a> und die <i><a href="Keleli" title="Keleli">keleli</a></i> im Norden des <a href="Tschad" title="Tschad">Tschad</a>.
</p><p>Ostafrika ist der Verbreitungsschwerpunkt der Röhrenspießlauten, deren bekanntester Vertreter die <i><a href="Endingidi" title="Endingidi">endingidi</a></i> ist und die Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts mit der Ausbreitung der arabischen <a href="Swahili_(Gesellschaft)" title="Swahili (Gesellschaft)">Swahili</a>-Kultur von der ostafrikanischen Küste ins Landesinnere kamen. Weiter südlich in Malawi kommt die <i>kaligo</i> vor<sup id="cite_ref-1" class="reference"><a href="#cite_note-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>.
</p><p>Die <i>ribāb</i> gehört zur dritten Gruppe der Kastenspießlauten, deren Korpus aus einem mit Brettern zu einem Rechteck gefügten, mit Holzspänen kreisrund gebogenen oder anders geformten Rahmen besteht. Der Rahmen ist ein- oder beidseitig mit Tierhaut bespannt. Hierzu gehört die in Marokko bekannteste dreisaitige Zupflaute <i><a href="Gimbri" title="Gimbri">gunbrī</a></i>. Eng verwandt mit der <i>ribāb</i> ist die äthiopische einsaitige Fiedel <i><a href="Masinko" title="Masinko">masinko</a></i>.
</p><p>Der Bagdader Gelehrte <a href="Al-Farabi" class="mw-redirect" title="Al-Farabi">al-Farabi</a> erwähnt in der ersten Hälfte des 10. Jahrhunderts in seinem <i>Kitāb al-mūsīqā al-kabīr</i> („Das große Buch der Musik“) erstmals, dass ein Instrument namens <i>rabāb</i> mit dem Bogen gestrichen wird.<sup id="cite_ref-2" class="reference"><a href="#cite_note-2"><span class="cite-bracket">[</span>2<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Der arabische Wortstamm r-b-b ist im Namen einer großen Gruppe unterschiedlicher Saiteninstrumente vom <a href="Maghreb" title="Maghreb">Maghreb</a> bis nach Südostasien enthalten. <i><a href="Rab%C4%81b" title="Rabāb">Rabāb</a></i> ist das klassisch-arabische Wort für Spießgeigen. Dazu zählen sowohl zwei unterschiedlich geformte lange Spießgeigen in Ägypten (im Dialekt <i>rebāb</i>), als auch kurze Knickhalslauten mit schlankem Kasten in Marokko und Tunesien (ebenfalls <i>rebāb</i>). Die zweisaitige marokkanische Kurzhalslaute <i>rebāb</i> (auch <i>rabāb, rbāb</i>) mit ihrem aus einem massiven Holzstück gefertigten schlanken Korpus unterscheidet sich wesentlich von der <i>ribāb</i>. Ferner gehören zu der Namensgruppe die kompakte afghanische <i><a href="Rubab" title="Rubab">rubāb</a></i>, einige zentralasiatische Lauten, die dreisaitige Spießgeige <i><a href="Rebab" title="Rebab">rebab</a></i> in Malaysia bis hin zur <i>rebab</i> in der muslimischen <a href="Musik_von_Lombok" title="Musik von Lombok">Musik von Lombok</a> am östlichen Rand des Verbreitungsgebiets.
</p><p>Die älteste Tradition könnte die einsaitige kastenförmige „Poetenfiedel“ der arabischen <a href="Beduinen" title="Beduinen">Beduinen</a> <i>rabāba</i> bewahren. Wie der Beiname ausdrückt, gehört dieses Instrument zu einer regionalen Erzähltradition, es wurde früher hauptsächlich von den Sulubba (Sulaib, Sleb), einem verachteten Stamm von Schmieden, Kesselflickern und Eselzüchtern gespielt.<sup id="cite_ref-3" class="reference"><a href="#cite_note-3"><span class="cite-bracket">[</span>3<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Die gesangsbegleitende Funktion kommt auch im Namen der <i>rebāb aš-šāʿir</i> („Rabāb des Dichters“) zum Ausdruck, die gelegentlich <i>kamanǧet aš-šāʿir</i> oder <i>rebāb al-muġannī</i> („Rabāb des Sängers“) genannt wird. Mit diesem funktionellen Begriff werden mehrere, heute seltene Instrumente der ägyptischen Volksmusik bezeichnet: Eines besteht aus einem Korpus aus vier Holzbrettern in der Form eines auf der Spitze stehenden gleichschenkligen Trapezes. Ein oder zwei Pferdehaarsaiten sind über einen langen Holzstab gespannt und unten an einem ebenfalls langen Eisenstachel befestigt.<sup id="cite_ref-4" class="reference"><a href="#cite_note-4"><span class="cite-bracket">[</span>4<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Der zweite Typ mit zwei Saiten besitzt einen Kokosnuss-Resonator. Ist bei der Kokosschale auf beiden Seiten ein Segment abgeschnitten, so heißt die Spießgeige <i>rebāb turqī.</i><sup id="cite_ref-5" class="reference"><a href="#cite_note-5"><span class="cite-bracket">[</span>5<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Bauform">Bauform</h2></div>
<p>Der Korpus der <i>ribāb</i> besteht aus einem kreisrunden, annähernd runden oder manchmal herzförmig gebogenen Rahmen aus Oliven- oder Weinrebenholz, der auf beiden Seiten mit Ziegenhaut bespannt ist. Der schlanke Hals wird aus einem Walnussholzstab gefertigt und besitzt einen quadratischen Durchmesser, der sich oberhalb des Wirbels zu einem runden Knauf verjüngt. Sein unteres Drittel ist zu einem Rundstab gedrechselt. Der Rundstab wird von der Überlappungsstelle der beiden Lamellenenden in den Korpus geschoben und ragt am unteren Ende einige Zentimeter über den Rahmen hinaus. Während bei der äthiopischen <i>masinko</i> ein langer, von unten durch eine Bohrung im Hals gesteckter Holzwirbel die Saite in weitem Abstand parallel zum Halsstab hält, sitzt der Wirbel der <i>ribāb</i> quer am Hals, so dass die Saite aus Pferdehaar auf die vom Spieler aus betrachtet linke Seite schräg nach außen verläuft. Der Steg sitzt im oberen Bereich auf der Membran. Unterhalb des Steges endet die Saite an einem Eisenring, der mit einer Hanf- oder Nylonschnur um den Spieß geschlungen ist. Wenige Zentimeter unterhalb des Wirbels ist zwischen Saite und Hals mit leichtem Zug eine Schnur angebracht, die wie bei einem <a href="Musikbogen" title="Musikbogen">Musikbogen</a> die effektive Länge der Saite und damit die Höhe des Grundtons bestimmt. Die Gesamtlänge eines typischen Instruments beträgt etwa 80 Zentimeter.
</p><p>Als Streichbogen dient ein flach gebogener Holzstab, zwischen dessen Enden die Bespannung aus Pferdehaar festgebunden ist. Alte Bögen besitzen Schnitzereien oder Intarsien, die Enden sind in Stoffstreifen eingeschlagen. Bei heutigen Bögen wird farbiges Isolierband verwendet. Wie bei manchen <a href="Rahmentrommel" title="Rahmentrommel">Rahmentrommeln</a> produzieren quer über die Membran gespannte Darmsaiten Schnarrgeräusche, falls sie mit Perlen besetzt sind, zusätzlich Rasselgeräusche, sobald die Membran in Schwingungen versetzt wird.
</p><p>Über ihre musikalische Verwendung hinaus stellen mit Perlen und angehängtem Silberschmuck verzierte <i>ribāb</i> einen materiellen Wert dar. Der Wert des Silbers kann ein Mehrfaches über dem des Instruments liegen und für den Besitzer eine Rücklage für Notzeiten darstellen.<sup id="cite_ref-6" class="reference"><a href="#cite_note-6"><span class="cite-bracket">[</span>6<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Spielweise">Spielweise</h2></div>
<p>Der <i>ribāb</i>-Spieler verkürzt die Saite mit der linken Hand etwa in der Mitte der Finger, ohne die Saite auf den Hals niederzudrücken, während er den linken Daumen von unten gegen den Hals hält. Die Grifftechnik ähnelt derjenigen des in Ägypten und auf der Arabischen Halbinsel gespielten <i>rabāb aš-šāʿir</i>.
</p><p>Bei den Taschelhit sprechenden Berbern, die als Schlöh (Šlūḥ) oder Ishlhin bekannt sind, gibt es neben der Musik der professionellen Sänger und Tanzgruppen eine von Amateuren in den Dörfern zur Unterhaltung gespielte Musik. In deren Zentrum steht die Tanzmusik <i>ahwasch</i> („Tanz“). Eine eigene musikalische Gattung stellt die Musik der <a href="Gnawa" title="Gnawa">Gnawa</a> dar, eine religiöse Gruppe mit schwarzafrikanischen Wurzeln, die neben den Langhalslauten <i>gunbrī</i> und <i>sintir</i> die Fasstrommel <i><a href="T'bol" title="T'bol">ṭbal</a></i> spielen. Außerhalb der regionalen Musikkultur steht die Rezitation des Korans und anderer religiöser Texte durch den Islamgelehrten (<i>ṭaleb</i>, Pl. <i>ṭolba</i>), der sich idealerweise Bildung und Ansehen an mehreren <i>zawāyā</i> (Sg. <i><a href="Tekke" title="Tekke">zāwiya</a></i>) erworben hat. Wenn in einem Dorf der Einfluss der orthodox-islamischen <i>ṭolba</i> zu groß geworden ist, kann es sein, dass die Einwohner darauf verzichten, eine eigene <i>ahwasch</i>-Tanztruppe aufzustellen und, um ihre Jahresfeste dennoch feiern zu können, eine professionelle Truppe von andernorts bestellen<sup id="cite_ref-8" class="reference"><a href="#cite_note-8"><span class="cite-bracket">[</span>8<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>.
</p><p>Der professionelle Sänger (<i>raʾīs</i>) begleitet seine episch-langen Balladen oder in Kurzform vorgetragenen Lebensweisheiten auf der <i>ribāb</i> oder der dreisaitigen gezupften Kastenhalslaute <i>gunbrī</i>. Traditionelle wandernde Sänger schöpfen aus einem großen Fundus an islamischen Mythen, historischen Erzählungen und Geschichten aus dem Alltag, die sie gestenreich und durch Tanzbewegungen zu einem Ein-Personen-Schauspiel ausbauen. Diese langen Geschichten heißen <i>lkyst.</i> Eine eigene poetische Gattung sind die <i>tandamt</i>.<sup id="cite_ref-9" class="reference"><a href="#cite_note-9"><span class="cite-bracket">[</span>9<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Hierbei trägt der Dichter-Sänger kurze Abenteuergeschichten, Alltagsbetrachtungen und Sinnsprüche vor. Die dritte der vier 1895 von Hans Stumme beschriebenen Kategorien, <i>tamawušt</i>, beinhaltet Spottgedichte zwischen Mann und Frau in Dialogform, bei denen es auf Schlagfertigkeit ankommt. Sie werden nachts im Freien an einem Feuer vorgetragen. <i>Lġnu</i> schließlich sind Lieder der Frauen bei der Hausarbeit.<sup id="cite_ref-10" class="reference"><a href="#cite_note-10"><span class="cite-bracket">[</span>10<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Ursprünglich im Süden des <a href="Antiatlas" title="Antiatlas">Antiatlas</a> in der Region Souss ist eine besondere Tanzkunst beheimatet, die heute von professionellen Tänzer-Musikern auf dem <a href="Djemaa_el_Fna" title="Djemaa el Fna">Djemaa el Fna</a> in <a href="Marrakesch" title="Marrakesch">Marrakesch</a> und bei Veranstaltungen in anderen Städten dargeboten wird. Sie besteht aus einem instrumentalen Vorspiel, gefolgt von Gesang und Tänzen. Auf die freirhythmische Einstimmung (<i>astara</i>) mit der <i>ribāb</i> folgt der poetische Gesangsvortrag (<i>amarg</i>), der den Hauptteil bildet. Ein choreografierter Tanz (<i>ammussu</i>) leitet zu einem weiteren Tanzlied (<i>tamssust</i>) über, das sich mit zunehmendem Tempo zum plötzlich endenden Finale (<i>tabbayt</i>) steigert.<sup id="cite_ref-11" class="reference"><a href="#cite_note-11"><span class="cite-bracket">[</span>11<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Zu Beginn der Vorführung stellen sich die Akteure in einer Reihe auf. Dann spielen die Rahmentrommel <i><a href="Bendir" title="Bendir">bendīr</a></i> und die hölzerne Längsflöte <i>ʿawāda</i> (auch <i>ajewwaq,</i> Pl. <i>tajewwaqt</i>), bevor der <i>raʾīs</i>, der vor der Reihe steht, auf seiner <i>ribāb</i> die instrumentale Eröffnung (<i>astara</i>) spielt und die Melodielinie vorgibt. Der <i>raʾīs</i> fungiert als musikalischer Leiter (<i>amghar</i>, männlich Pl. <i>imgharen</i>, alter Mann, Dorfoberhaupt), der als einziger die <i>ribāb</i> spielen darf. Danach stimmen die Ensemblemusiker auf dem <i>gunbrī</i> ein, dem bekanntesten Instrument der Schlöh. Zwei von ihnen erzeugen einen Rhythmus, indem sie drei mit Lederbändchen an den Fingern befestigte <a href="Zimbel" title="Zimbel">Zimbeln</a> (<i>nūīqsāt</i>) in jeder Hand wie anderswo in Marokko <i><a href="Qarqaba" title="Qarqaba">qarāqib</a></i> zusammenschlagen. Sobald der Chor sich in einer Reihe formiert, tritt ein Teil der Instrumentalisten zurück. Der <i>raʾīs</i> stellt sich vor der Sängern auf und beginnt einen Sologesang, begleitet von seiner Fiedel. Die Sänger wiederholen mehrmals die Melodiephrasen und jeder spielt dazu den <i>gunbrī</i>. Wenn der Chor zu tanzen beginnt, schlägt ein am Boden sitzender Musiker mit zwei Metallstäben den <i>nāqūs</i>, ein beliebiges, möglichst rundes Eisenteil (Kochtopf, Bremstrommel), das er auf ein Stück Gummi oder auf einen Lederschuh gestellt hat. Etwa drei bis sechs <i>gunbrī</i>-Spieler sind ständig in Bewegung. Die Melodie ist wenig variierend und verzichtet fast gänzlich auf die in der <a href="Arabische_Musik" title="Arabische Musik">arabischen Musik</a> üblichen Vierteltonintervalle. Das hauptsächliche Intervall ist die vergrößerte <a href="Quarte" title="Quarte">Quarte</a>.<sup id="cite_ref-12" class="reference"><a href="#cite_note-12"><span class="cite-bracket">[</span>12<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Die Tänzer singen im Wechsel mit dem <i>raʾīs</i> und bilden immer komplizierter werdende, genau geplante Formationen. Sie stehen sich in einer Doppelreihe gegenüber, bilden Schlangenlinien oder bewegen sich gegen den Uhrzeigersinn im Kreis. Dem Aufschlagen mit den bloßen Fersen auf dem Boden (<i>herd</i>) kommt eine besondere Bedeutung zu. Den stärksten rhythmischen Akzent erzeugt das Stampfen mit dem flachen Fuß. Die Tänzer tragen lange weiße Gewänder (<i>ganduras</i>), die an der Taille mit einem bestickten Gürtel zusammengehalten werden.<sup id="cite_ref-13" class="reference"><a href="#cite_note-13"><span class="cite-bracket">[</span>13<span class="cite-bracket">]</span></a></sup><sup id="cite_ref-14" class="reference"><a href="#cite_note-14"><span class="cite-bracket">[</span>14<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Die Zahl der Teilnehmer bei den professionellen Aufführungen der <i>rwaʾīs</i> und den Amateurdarbietungen <i>ahwasch</i> ist ähnlich hoch. Der Unterschied zwischen beiden Gruppen besteht darin, dass die <i>ahwasch</i> zur lokalen Tradition des jeweiligen Dorfes gehören und eine identitätsstiftende Bedeutung besitzen, während die Truppen der <i>rwaʾīs</i> im ganzen Land und gelegentlich im Ausland auftreten, flexibel auf musikalische Einflüsse reagieren und ihre Erzählungen der Zuhörerschaft anpassen. Der <i>ahwasch</i> verkörpert in diesem Vergleich das bewahrende Element und der <i>rwaʾīs</i> die aufgeschlossene, sich internationalisierende Seite der Schlöh-Kultur.<sup id="cite_ref-15" class="reference"><a href="#cite_note-15"><span class="cite-bracket">[</span>15<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Literatur">Literatur</h2></div>
<ul><li>Paul Collaer, Jürgen Elsner: <i>Nordafrika</i>. Reihe: Werner Bachmann (Hrsg.): <i><a href="Musikgeschichte_in_Bildern" title="Musikgeschichte in Bildern">Musikgeschichte in Bildern</a></i>. Band I: <i>Musikethnologie</i>. Lieferung 8. Deutscher Verlag für Musik, Leipzig 1983</li>
<li>Ulrich Wegner: <i>Afrikanische Saiteninstrumente.</i> (Neue Folge 41. Abteilung Musikethnologie V.) Museum für Völkerkunde Berlin 1984, S. 133f</li>
<li><i>Ribab</i>. In: Laurence Libin (Hrsg.): <i>The Grove Dictionary of Musical Instruments.</i> Band 4, Oxford University Press, Oxford/New York 2014, S. 306f</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Weblinks">Weblinks</h2></div>
<div class="sisterproject" style="margin:0.1em 0 0 0;"><div class="noresize noviewer" style="display:inline-block; line-height:10px; min-width:1.6em; text-align:center;" aria-hidden="true" role="presentation"><span class="mw-default-size" typeof="mw:File"><span title="Commons"></span></span></div><b><span class=""><a class="external text" href="https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Ribab?uselang=de"><span lang="en">Commons</span>: Ribab</a></span></b> – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien</div>
<ul><li>Philip D. Schuyler: <a rel="nofollow" class="external text" href="http://www.azawan.com/tachelhit/schuyler/art.htm"><i>Rwais and Ahwash: Opposing tendencies in Moroccan Berber Music and Society.</i></a> In: <i>The World of Music,</i> Vol. 21, No. 1, 1979</li>
<li><a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.youtube.com/watch?v=2qjuWY-_Vu8"><i>Ribab inerzaf bizenkad.</i></a> Youtube-Video</li>
<li><a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.youtube.com/watch?v=RiZ1EaIPMdg"><i>Ribab salh lbacha.</i></a> Youtube-Video</li>
<li><a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.youtube.com/watch?v=64ncSmapP90"><i>Sahara Dance and Tribe Zuza present Raiss a Berber poet and songwriter, playing Ribab Berber Violin.</i></a> Youtube-Video (<i>Ribāb</i>, Rahmentrommel <i><a href="Daf_(Musikinstrument)" title="Daf (Musikinstrument)">deff</a></i> und zwei Bechertrommeln <i><a href="Darbuka" title="Darbuka">dumbek</a></i> zur Tanzbegleitung)</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Einzelnachweise">Einzelnachweise</h2></div>
<div class="mw-references-wrap mw-references-columns"><ol class="references">
<li id="cite_note-1"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-1">↑</a></span> <span class="reference-text">Roger Blench: <a rel="nofollow" class="external text" href="http://www.rogerblench.info/Ethnomusicology/Papers/Africa/General/Blench%20Musica%20Asiatica%20paper.pdf"><i>The Morphology and Distribution of Sub-Saharan Musical Instruments of North-African, Middle Eastern, and Asian, Origin.</i></a> (PDF; 463 kB) In: <a href="Laurence_Picken" title="Laurence Picken">Laurence Picken</a> (Hrsg.): <i>Musica Asiatica.</i> Bd. 4 Cambridge University Press, Cambridge 1984, S. 173f, ISBN 978-0-521-27837-9</span>
</li>
<li id="cite_note-2"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-2">↑</a></span> <span class="reference-text"><a href="Hans_Hickmann" title="Hans Hickmann">Hans Hickmann</a>: <i>Die Musik des Arabisch-Islamischen Bereichs.</i> In: Bertold Spuler (Hrsg.): <i>Handbuch der Orientalistik</i>. 1. Abt. <i>Der Nahe und der Mittlere Osten</i>. Ergänzungsband IV. <i>Orientalische Musik</i>. E.J. Brill, Leiden/Köln 1970, S. 68</span>
</li>
<li id="cite_note-3"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-3">↑</a></span> <span class="reference-text">Anthony Baines: <i>The Oxford Companion to Musical Instruments.</i> Oxford University Press, Oxford 1992, S. 277</span>
</li>
<li id="cite_note-4"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-4">↑</a></span> <span class="reference-text">Ulrich Wegner, 1984, S. 131</span>
</li>
<li id="cite_note-5"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-5">↑</a></span> <span class="reference-text">Paul Collaer, Jürgen Elsner, 1983, S. 38</span>
</li>
<li id="cite_note-6"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-6">↑</a></span> <span class="reference-text">Ulrich Wegner, 1984, S. 133f</span>
</li>
<li id="cite_note-7"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-7">↑</a></span> <span class="reference-text">Myriam Naït Yacoub: <i>Raiss Lhaj Belaid: The Artist!</i> In: <a rel="nofollow" class="external text" href="http://www.migdev.org/wp-content/uploads/2012/06/web_MD-Lettre16-mars2012.pdf"><i>La lettre # 16 de Migrations & Développement - 05/12.</i></a> S. 10</span>
</li>
<li id="cite_note-8"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-8">↑</a></span> <span class="reference-text">Philip D. Schuyler: <i>The Rwais and the Zawia: Professional Musicians and the Rural Religious Elite in Southwestern Morocco</i>. In: <i>Asian Music,</i> Vol. 17, No. 1, Herbst–Winter 1985, S. 114–131, hier S. 117</span>
</li>
<li id="cite_note-9"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-9">↑</a></span> <span class="reference-text"><a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.youtube.com/watch?v=beAHQwrmHE0"><i>Tandamt.</i></a> Youtube-Video (Vortrag <i>tandamt</i> mit <i>gunbrī</i>-Begleitung)</span>
</li>
<li id="cite_note-10"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-10">↑</a></span> <span class="reference-text">Hans Stumme: <i>Dichtkunst und Gedichte der Schluh.</i> J. C. Hinrichs’sche Buchhandlung, Leipzig 1895, S. 2–9 (<a rel="nofollow" class="external text" href="https://archive.org/stream/dichtkunstundge00stumgoog#page/n4/mode/2up">bei Internet Archive</a>)</span>
</li>
<li id="cite_note-11"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-11">↑</a></span> <span class="reference-text">Simon Broughton, Marc Ellingham, Richard Trillo: <i>World Music</i>. Volume 1: <i>Africa, Europe and the Middle East</i>. Rough Guides, London 2000, S. 569, ISBN 978-1-85828-635-8</span>
</li>
<li id="cite_note-12"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-12">↑</a></span> <span class="reference-text">Theodore C. Grame: <i>Music in the Jma al-Fna of Marrakesh.</i> In: <i>The Musical Quarterly,</i> Vol. 56, No. 1, Januar 1970, S. 74–87, hier S. 84f</span>
</li>
<li id="cite_note-13"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-13">↑</a></span> <span class="reference-text">Viviane Lièvre: <i>Die Tänze des Maghreb. Marokko – Algerien – Tunesien.</i> Übersetzt von Renate Behrens. Otto Lembeck, Frankfurt am Main 2008, S. 90, ISBN 978-3-87476-563-3 (Französische Originalausgabe: Éditions Karthala, Paris 1987)</span>
</li>
<li id="cite_note-14"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-14">↑</a></span> <span class="reference-text">Paul Collaer, Jürgen Elsner, 1983, S. 162</span>
</li>
<li id="cite_note-15"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-15">↑</a></span> <span class="reference-text"><a href="Philip_V._Bohlman" title="Philip V. Bohlman">Philip Vilas Bohlman</a>: <i>The Study of Folk Music in the Modern World</i>. Indiana University Press, Bloomington 1988, S. 100</span>
</li>
</ol></div></div><!--htdig_noindex--><div><div class="zim-footer">
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